Lücken stopfen – Nachteile ausgleichen

In der Sozialgesetzgebung werden Selbstständige durchweg als "Sonderfall" behandelt, teilweise vom Schutz und manchmal auch von der Verantwortung komplett ausgenommen. Dahinter steht die überholte Vorstellung, selbstständig Tätige seien in der Regel gut genug gestellt, um allein für Alter, Krankheit, Auftragslosigkeit und den Pflegefall vorzusorgen. Leider geht diese Annahme inzwischen an der Realität der meisten Solo-Selbstständigen vorbei. Daher ist die soziale Sicherung zu einem Hauptthema der gewerkschaftlichen Selbstständigen geworden. Das ver.di-Referat und die Bundeskommission Selbstständige haben vielfältige Vorschläge und Vorstellungen dazu erarbeitet. Bei allen geht es im Kern um ein Thema:

Ein soziales Sicherungssystem für alle, das diesen Namen verdient.

Das Sozialsystem der Bundesrepublik stammt aus anderen Zeiten. Solo-Selbstständige werden da in vielen Bereichen nicht mitgedacht. Der klassische Unternehmer mit Angestellten dominiert den Blick und prägt das Leitbild der Politik in Sachen Sozialpolitik für Selbstständige. Wir wollen, dass alle Selbstständigen in ein gesamtgesellschaftliches Sozialsystem integriert werden, dabei aber sehr viel differenzierter als heute auf die unterschiedlichsten Formen der Selbstständigkeit geschaut und nach Leistungsfähigkeit differenziert wird. Denn: Die Mehrheit der Selbstständigen leitet Alleinunternehmen und erzielt keine hohen Einkommen. Für die reicht es nicht, sie in ein bestehendes, für andere Verhältnisse aufgebautes, Sozialsystem zu zwängen. Das Sozialsystem muss sich ändern und alle müssen an der gesellschaftlichen Vorsorge beteiligt werden. – Das Thema zu setzen und die ärgsten Lücken im Sozialsystem zu stopfen, ist uns in den vergangenen Jahren gelungen.

Die vielfache Benachteiligung von Solo-Selbstständigen bei der sozialen Sicherung ist noch lange nicht ausgeglichen, weder ein einheitliches Sozialsystem noch eine Beteiligung von Auftraggebern und Arbeitsplattformen an der Vorsorge sind zurzeit in Sicht. – Es bleibt viel zu tun.

ver.di Kampagnen