Corona Infopool

ver.di-Mitgliederbrief Selbstständige | 18.2.21

ver.di-Mitgliederbrief Selbstständige | 18.2.21

Am 16. Februar wurde die Beantragung der „Neustarthilfe“ endlich freigeschaltet – diese Hilfe war das Top-Thema unseres letzten Mitgliederbriefes. Heute steigen wir mit genau diesem Thema wieder ein.

Seit Dienstag, 14.2.21 ist es möglich, Anträge auf Neustarthilfe zu stellen. Mit diesem Hilfspaket können hauptberuflich Solo-Selbstständige mit Umsatzeinbrüchen nun auch eine Unterstützung für den Lebensunterhalt jenseits der Grundsicherung bekommen. – Anders als bei den November- und Dezemberhilfen, gilt das für alle Branchen und anders als bei den regionalen Hilfen bundesweit. Die Planung dieses Hilfspakets begann bereits Ende 2020. Die jetzige Lösung ist nicht üppig und meist nicht angemessen aber gegenüber den ursprünglichen Planungen mit einem Umsatzersatz von 50 Prozent bei einer Höchstsumme von 7.500 Euro immerhin deutlich verbessert. Das zeigt: (Unser) gemeinsames hartnäckiges Nachbohren wirkt!

Bei der Hilfe gibt es Einiges zu wissen und zu beachten: etwa, dass Einkommen aus abhängiger Tätigkeit oder auch Renten einberechnet werden müssen. – Und da der Antrag nur einmal gestellt werden kann, informiere dich bitte, bevor du ihn stellst. In unseren Corona-FAQ findest du sowohl alle notwendigen Basis-Informationen als auch hilfreiche Links zu offiziellen Erläuterungen und natürlich auch zu unserem Excel-Rechner zur Neustarthilfe. Der hilft dir, den möglichen Vorschuss schnell auszurechnen und einzuschätzen, wie die Endabrechnung der Hilfe aussehen könnte. (Der prinzipielle Rechenweg um den Maximalbetrag zu schätzen lautet: Dein Netto-Umsatz im Jahr 2019 geteilt durch 4 ergibt die Förder-Höchstsumme.)

Hilfen solidarisch gestalten

Angesichts der Tatsache, dass viele Kolleg*innen bereits (fast) ein Jahr mit komplettem Einkommensausfall zu bewältigen haben, sind maximal 7.500 Euro, die sechs Monate reichen sollen, freundlich gesagt … bescheiden.

Die ehrenamtliche Bundeskommission der ver.di-Selbstständigen fordert deshalb „gesellschaftliche Solidarität: einen angemessenen Ausgleich für den Corona-bedingten Einkommensausfall. – Gezielte Wirtschaftshilfe, die die besonderen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Solo-Selbstständigen aller Branchen adressiert. Wenn zum Schutz der Allgemeinheit unser wirtschaftliches Handeln nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, müssen die entstehenden Einkommensausfälle angemessen ausgeglichen werden.“ Konkret: Die Zahlung eines Gewinnausfalls in Höhe von 75 Prozent. Unsere Begründungen und Positionen zum Einkommensersatz findest du hier.

Wir rechnen nicht damit, dass die aktuelle Regierungskonstellation unsere Vorschläge unmittelbar umsetzen wird. Es wird also kurz- und mittelfristig dabei bleiben: Die Entwicklung solcher Forderungen ist Kür, Aufklärung und Widerständigkeit, also das Einmischen auf allen Ebenen und der öffentliche Protest bleiben auf der Tagesordnung. Kurz: Gerade im „Super-Wahljahr“ haben wir die Gelegenheit – und sollten sie nutzen (!) – den Entscheidungsträger*innen auf allen Ebenen klarzumachen, dass Solo-Selbstständige und ihre mit Abstand größte Interessenvertretung (also knapp 2 Millionen Wähler*innen) gerechte und solidarische Lösungen fordern – speziell, was die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme angeht.

Und sonst noch …

  • Apropos Soziale Sicherung. Dazu gibt es für Kolleg*innen aus der Kultur- und Medienbranche eine gute und eine schlechte Nachricht: Für über die Künstlersozialkasse (KSK) Versicherte bleibt es wie bereits im Vorjahr folgenlos, wenn sie die Mindestjahreseinkommensgrenze von 3.900 Euro nicht erreichen. Folgen hingegen hat es, wenn sie (wegen der COVID-19-Krise) einen branchenfremden, selbstständigen Job mit regelmäßigen Einkommen über 450 Euro/Monat ausüben (müssen). Sie verlieren den Krankenversicherungsschutz über die KSK. – Ein Problem, das wir schon 2016 beim Arbeits- und Sozialministerium adressiert haben.

  • Es gibt was auf die Ohren: Kathy hat die Schlagzahl des ver.di-Selbstständigen-Podcasts deutlich erhöht. Allein in diesem Jahr hat sie sieben neue Folgen produziert. In Gesprächen mit politischen Akteur*innen und Entscheidungsträger*innen geht es um Themen wie „Grundsicherung ist keine Hilfe für Solo-Selbstständige“ oder „Rückzahlungsforderung der Corona-Hilfe ist absurd". In der bislang vorletzten Folge geht es um das „Haus der Selbstständigen in Leipzig“.

  • Genau dort, im Haus der Selbstständigen (HdS), wird seit der interessanten Auftaktveranstaltung „Solidarität mit Solo-Selbstständigen“ kräftig am Auf- und Ausbau der Angebote gewerkelt. Über den Fortschritt berichtet deren hauseigener Newsletter, den du über die HdS-Startseite abonnieren kannst.

Beste Grüße
vom ver.di-Referat Selbstständige

Unsere Informationskanäle und der Kontakt zu uns

In unserem ständig aktualisierten Corona-Infopool und unserem Facebook-Auftritt halten wir dich auf dem Laufenden, was sich in Sachen Solo-Selbstständige und Pandemiefolgen tut. Wer Facebook meiden will, findet die allgemeinen News zeitnah gespiegelt auf dieser Website unseres aktiven Kollegen Wolfgang.

Bitte informiere uns per Mail über alle aktuellen Aktionen, Kooperationen und Anliegen, damit wir Informationen zusammenführen, in die gemeinsame Diskussion, die Öffentlichkeit und die Politik einbringen können!