Selbstständige

Stichworte zur Altersvorsorge

Stichworte zur Altersvorsorge

  • Äquivalenzprinzip
    Die individuelle Rentenhöhe errechnet sich nach dem Grundsatz der Äquivalenz: Die jeweilige Höhe und Dauer der Beitragszahlungen sind die bestimmenden Faktoren. Beitragszahlungen und Rentenhöhe stehen in direkter Beziehung.

  • Altersarmut
    Laut Altersicherungsbericht 2016 liegt das Risiko der Altersarmut bei (Solo-)Selbstständigen deutlich über dem der ehemals abhängig Beschäftigten. So verfügt fast die Hälfte der ehemals Selbstständigen im Alter über ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro, während es bei Arbeitern oder Angestellten nur gut ein Drittel ist. Der Anteil der Grundsicherungsempfänger ist unter ehemals Selbstständigen mit 3,7 Prozent deutlich höher als unter ehemals abhängig Beschäftigten mit 2,1 Prozent.
    Wer alt und arm ist, hat Anspruch auf →Grundsicherung im Alter. Ob jemand im Sinne der Sozialgesetze arm ist, hängt nicht nur von der Höhe der Rente ab, sondern auch vom Vermögen oder dem Einkommen des Partners/der Partnerin und eventuell der Kinder.

  • Angenommenes Mindesteinkommen
    Anders als bei der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige geht die Rentenversicherung nicht von einem so genannten „angenommenen Mindesteinkommen“ als Berechnungsbasis für die Beiträge aus. Hier werden die Monatsbeiträge von 18,7 Prozent ab einem Erwerbseinkommen von 450 Euro/Monat zur Grundlage genommen.
    Die Krankenversicherungen dagegen legen sämtliche Einkünfte zugrunde – und gehen bei Selbstständigen von monatlichen Einkommen von – für viele Selbstständige unrealistischen –  mindestens 2231 Euro (2017) aus, auf die knappe 400 Euro Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig werden.

  • Armutsgrenze
    Wer mit seinem Einkommen unter der Armutsgrenze (eigentlich: Armutsgefährdungsgrenze) liegt, gilt als arm (eigentlich: von Armut bedroht). Bei welchem Eurobetrag diese Grenze liegt, hängt davon ab, wo man lebt. Nach der Definition der Europäischen Union sind all jene von Armut bedroht, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des →Medianeinkommens im Heimatland beträgt. Im Jahr 2015 lag die Armutsgrenze für Alleinstehende in Deutschland bei 1.033 Euro. Für OECD und WHO beginnt Armut erst bei weniger als 50 Prozent des Meridianeinkommens. In allen Definitionen geht es um Einkommen, nicht um Vermögen.

  • Armutsquote
    Die Armutsquote ist der Prozentsatz an Einwohnerinnen und Einwohnern, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. In Deutschland waren das im Jahr 2015 knapp 17 Prozent der Bevölkerung. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

  • Auftraggeberbeteiligung
    Die ver.di-Selbstständigen fordern eine Beteiligung der Auftraggeber und Plattformen an den Kosten der gesetzlichen Sozialversicherung. Dabei sind mehrere Modelle der Ausgestaltung möglich - z.B.: Vergleichbar der Verwerterabgabe in der →Künstlersozialversicherung, müssen Auftraggeber einen zusätzlichen Prozentsatz auf das Honorar an ein Einzugssystem zahlen. Oder: Unternehmen beteiligen sich an den Kosten der Sozialversicherungssysteme über eine →Wertschöpfungsabgabe.

  • Beitragsparität
    Beitragsparität bedeutet, dass Erwerbstätige und Arbeit- bzw. Auftraggeber jeweils die Hälfte der Beiträge zur Sozialversicherung zahlen. Für die Krankenversicherung gilt das seit 2013 nicht mehr. Steigt der Beitragssatz, tragen die Erwerbstätigen hier die Differenz allein.
    Bei Selbstständigen sind Kranken- und Rentenversicherung je nach Beruf unterschiedlich geregelt. Zwei Drittel müssen den Krankenkassenbeitrag allein zahlen. Bei der Rentenversicherung zahlen versicherungspflichtige Selbstständige den Beitrag allein, falls sie nicht über die →Künstlersozialkasse versichert sind

  • Bemessungsgrenze
    Die Beitragsbemessungsgrenze legt fest, für welchen Teil des Einkommens gesetzlich Versicherte Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss. Alles, was über dieser Grenze liegt, ist beitragsfrei.

  • Bürgerversicherung
    Die Bürgerversicherung ist ein solidarisches Sozialversicherungssystem, in dem alle Bürgerinnen und Bürger auf alle ihre Einkommen Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung zahlen. Dieses System wird gelegentlich auch für die Rentenversicherung vorgeschlagen (siehe aber →Erwerbstätigenversicherung).

  • Entgeltpunkt
    Für welchen Rentenversicherungsbeitrag gibt es einen Entgeltpunkt? - Das hängt vom Beitragssatz und vom Durchschnittseinkommen des Jahres ab, für das der Beitrag gezahlt wird. Im Jahr 2017 beträgt das durchschnittliche Einkommen aller Sozialversicherungspflichtigen 37.103 Euro, der Beitragssatz 18,7 Prozent des Bruttoeinkommens. 2017 sind das pro Monat 556,30 Euro.
    Wie berechnet die Rentenversicherung die persönlichen Entgeltpunkte? Für jedes Kalenderjahr legt die gesetzliche Rentenversicherung das durchschnittliche Jahreseinkommen aller Beitragszahler/innen fest. Für jeden und jede Versicherte teilt die Rentenversicherung nach Ablauf des Kalenderjahres das individuelle Jahreseinkommen durch das durchschnittliche Jahreseinkommen. Das Ergebnis ist eine dimensionslose Zahl zwischen 0,001 und 2,1 - die Entgeltpunkte für das jeweilige Kalenderjahr. Wer das durchschnittliche Jahreseinkommen hat, erhält für das Kalenderjahr folglich genau einen Entgeltpunkt.
    Wie viel Rente gibt es für einen Entgeltpunkt? Das hängt vom Rentenwert ab, der jedes Jahr neu festgelegt wird. 2016/2017 betrug der Rentenwert West (alte Bundesländer) 30,45 Euro, der Rentenwert Ost (neue Bundesländer) 28,66 Euro. Im Westen ergab ein Entgeltpunkt einen monatlichen Rentenanspruch von 30,45 Euro.

  • Erwerbstätigenversicherung
    Bei einer Erwerbstätigenversicherung zahlen alle Erwerbstätigen in eine einheitliche gesetzliche Rentenversicherung ein: Arbeitnehmer/innen, Beamt/innen und Selbstständige.

  • Grundsicherung im Alter
    Grundsicherung im Alter besteht aus dem vom Arbeitslosengeld II bekannten Regelsatz (409 Euro im Jahr 2017), den Kosten für die Unterkunft und eventuellem Mehrbedarf, zum Beispiel bei Behinderung. Da die Mietkosten je nach Wohnort unterschiedlich ausfallen, gibt es keinen festen Betrag für die Grundsicherung. 2016 waren es durchschnittlich 796 Euro. Grundsicherungsempfänger/innen dürfen nur in sehr engen Grenzen hinzuverdienen.

  • Künstlersozialversicherung
    Die Künstlersozialversicherung ist eine Pflichtversicherung für freiberufliche Kultur und Medienschaffende. Dabei tragen die Versicherten die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sowie zur Kranken- und Pflegeversicherung selbst. Die zweite Beitragshälfte wird über die Künstlersozialabgabe von Verwertern sowie über einen Bundeszuschuss aufgebracht.

  • Medianeinkommen
    Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden. Das heißt: 50 Prozent aller Einkommen liegen darüber, 50 Prozent darunter

  • Pflichtversicherung
    Wird die (gesetzliche) Rentenversicherung verpflichtend, müssen alle Versicherungspflichtigen dort einzahlen. Private Altersvorsorge wäre weiterhin ergänzend möglich 

  • Private Altersvorsorge
    Anders als beim →Umlageverfahren werden die während der Laufzeit des Versicherungsvertrags eingezahlten Beiträge in einem Kapitalstock des Beitragszahlers zusammengefasst und (im besten Fall) Ertrag bringend angelegt. Beim Eintritt des Versicherungsfalls wird dann das Vermögen als private Rente ausbezahlt.

  • Rentenanpassungsformel
    Die Rentenanpassungsformel – fälschlich auch →Rentenformel genannt – führt zu einem Absinken des →Rentenniveaus. Die Bundesregierung hat sie 2005 eingeführt, weil immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner/innen immer länger finanzieren müssen und der Rentenbeitragssatz nicht zu stark steigen soll. Gegen einen höheren Beitragssatz sind vor allem die Arbeitgeber, denn sie finanzieren den Rentenbeitrag mit. Mit der Rentenanpassungsformel wird die Rate berechnet, mit der der Rentenwert und damit die Rente zum 1. Juli eines jeden Jahres steigt.

  • Rentenformel
    Mit der Rentenformel berechnet die gesetzliche Rentenversicherung die individuelle monatliche Rente. In dieser Formel werden die gesamten rentenrechtlichen Zeiten der Versicherten zusammengetragen. Die jeweilige Rente wird auf Grundlage der individuellen Erwerbsbiografie ermittelt. Die monatliche Bruttorente berechnet sich, indem die persönlichen Entgeltpunkte mit dem Rentenartfaktor und dem aktuellen Rentenwert multipliziert werden.

  • Rentenniveau
    Das Rentenniveau ist Standardrente geteilt durch Durchschnittseinkommen. Wenn die Standardrente gleich bleibt und der Durchschnittslohn steigt, sinkt das Rentenniveau. Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht sich dafür aus, das Rentenniveau zunächst bei ca. 48 Prozent zu stabilisieren und es langfristig anzuheben. Der Beitragssatz soll nicht über 25 Prozent steigen und paritätisch getragen werden (→Beitragsparität).

  • Rentenpunkt
    Der Begriff wird umgangssprachlich für →Entgeltpunkt genutzt.

  • Rentenwert
    Der aktuelle Rentenwert ist der in Euro ausgedrückte Wert eines →Entgeltpunktes.

  • Standardrentner/Eckrentner
    Den Standardrentner gibt es im wirklichen Leben wohl nicht, da kaum jemand in allen Jahren seines Erwerbslebens immer das Durchschnittseinkommen hat. Er ist eine Rechengröße. Der fiktive Standardrentner erhält 45 Jahre lang jedes Jahr einen → Entgeltpunkt. Mit dem Rentenwert von 30,45 Euro erhält er monatlich eine Bruttorente von 1.370,25 Euro. Wer weniger als das Durchschnittseinkommen verdient, erhält weniger Entgeltpunkte. Wollte er eine ebenso hohe Rente wie der Standardrentner beziehen, müsste er entsprechend länger Beiträge zahlen.
    Um z.B. eine monatliche Bruttorente von 1.000 Euro zu erhalten, müssen 45 Jahre lang Beiträge gezahlt werden, die 0,729 Entgeltpunkten pro Jahr entsprechen. Das heißt: Auf ein Jahreseinkommen von 26.438 Euro (Stand 2016). Um mit diesem Jahreseinkommen eine Standardrente zu beziehen, müssten 61 Jahre lang Beträge bezahlt werden...

  • Umlageverfahren
    In der gesetzlichen Rentenversicherung bauen die Beitragszahler/innen - anders als in privaten Versicherungen - keinen Kapitalbestand für ihre eigene Rente auf sondern finanzieren die Bezüge der aktuellen Rentenbezieher/innen. Sie erwerben nur einen Anspruch auf eine spätere eigene Rente.

  • Vorsorgepflicht
    Die Vorsorgepflicht bedeutet, dass sich jede und jeder verbindlich Mittel für das Alter anlegen muss, aber selbst entscheiden können soll in welcher Form.

  • Wartezeit
    Die Wartezeit ist die Mindestzahl von Jahren, die jemand in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein muss, um dort Rente zu erhalten. Für die Regelaltersrente sind das fünf Jahre, für die Altersrente für Frauen 15 Jahre und für Rente bei voller Erwerbsminderung 20 Jahre.

  • Wertschöpfungsabgabe
    Unter Wertschöpfungsabgabe versteht man eine Abgabe/Steuer, die an die Wertschöpfung/Produktivität eines Unternehmens anknüpft und an Stelle der derzeitigen - rein lohnbezogenen - Sozialversicherungsbeiträge erhoben wird. Unter der Wertschöpfung eines Unternehmens versteht man den erzielten Zuwachs an Werten des Endprodukts über die Werte der Ausgangsprodukte. Mit einer solchen Abgabe wird die Berechnungsgrundlage der Sozialabgaben verbreitert, Kapitaleinkommen werden für die Finanzierung der Sozialversicherung herangezogen.